Radiologie im Sturm

Radiologische Praxen stehen durch Inflation, Krankenhausreform, Regulierung und Fachkräftemangel unter wachsendem Druck. Dazu kommen drohende Vergütungsrückgänge durch die geplanten EBM und GOÄ-Reformen. Die Verdienstsituation von Ärzten und Ärztinnen in Deutschland bezieht sich auf die Kostenstrukturstatistik der Destatis. Die Situation in der Radiologie wird aktuell dort nicht realitätsnah dargestellt. Unser Vorschlag zur Korrektur der aktuellen Kostenstrukturstatistik schafft Transparenz und liefert eine fundierte Grundlage zur wirtschaftlichen Einordnung radiologischer Praxen und MVZ.

Das Thesenpapier führt aus, warum die Destatis-Kostenstrukturstatistik aus Sicht des Radiologienetz Deutschland zentrale wirtschaftliche Faktoren der ambulanten Radiologie unzureichend berücksichtigt – mit möglichen Folgen für gesundheitspolitische Entscheidungen.

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Aktuelles Update:

23.07.2026

Liebe Lesende,

heute veröffentlichte das Statistische Bundesamt auf seiner Seite (Medizinischer Bereich - Statistisches Bundesamt) die aktuellen Zahlen (Bezugsjahr 2024) zur Kostenstrukturstatistik (KSS). Wie erwartet nimmt die Radiologie (zusammen mit Nuk, Strahlentherapie) mit 2,5 PraxisinhaberInnen je Praxis (plus 2,4 angestellte Ärzte) beim Reinertrag mit 523k€ je PraxisinhaberIn (2023: 476k€) und bei Einnahmen von 1,493 Mio. € je Praxisinhaber die Spitzenposition ein. Der radiologische Reinertrag beträgt erneut mehr als das Doppelte des Durchschnitts aller (Human-) Ärzte (im Schnitt: 243k€ ).

Wir aktualisieren unser ansonsten weiterhin gültiges Thesenpapier zur KSS und informieren Sie demnächst über weitere Details. Klar ist, dass die KSS Gift für eine Abwehr von Honorarkürzungen ist, erst Recht, weil sie aus unserer Sicht ohne Erläuterung falsch dargestellt und mißverständlich ist. Frau Gesundheitsministerin Warken hat letzte Woche den Bewertungsausschuss aufgefordert, bis zum 30.03.27 einen Vorschlag zur Abwertung der technischen Leistungen in der Radiologie, Nuklearmedizin, Strahlentherapie zu unterbreiten. Grundlage für eine EBM-Aktualisierung werden gemäß KSS-Gesetz die Zahlen der KSS sein. Höchste Zeit also, dass wir unter Zuhilfenahme aller Verbände mit unseren evidenzbasierten Argumenten auf eine etwaige Korrektur oder zumindest eine erklärende Relativierung der KSS drängen.

Nach Abstimmung mit vielen Verbänden und Akteuren hat Curagita bereits drei Maßnahmen angestoßen:

Bereits erfolgte Beauftragung des IGES-Instituts zur Prüfung unserer Argumente im Thesenpapier zur KSS (mit aktuellen Zahlen) und dann zur Veröffentlichung der überprüften Argumente (Gutachten bis spätestens November 2026 auf dem Radiologienetztag), weil wir glauben, dass IGES noch mehr zur Glaubwürdigkeit beiträgt.

  1. Bereits erfolgte Beauftragung von RA Prof. Wigge zur Frage einer rechtlich wirksamen Einflussnahme (z.B. Antrag auf Ausnahmeregelung, Klage, Verweigerung, Ausfüllen des Meldebogens mit kalkulatorischen Kosten) auf eine ggfs. missverständliche oder falsche KSS.
  2. Offizielle Bitte um ein weiteres Expertengespräch mit Destatis parallel zu Berufsverband und Fachgesellschaft
  3. Austausch mit den Verbänden, Netzwerken, iMVZ-Verbänden und mit der Industrie (ZVEI, BPI, BVmed) über eine konzertierte Einflussnahme gegen die geplanten Honorarkürzungen in der Radiologie auf Basis falsch dargestellter Zahlen.

Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden wir sie mit Ihnen teilen. Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie unsere Argumente nutzen wollen und über Ihre Verbindungen in die Politik Einfluss nehmen wollen. Herr Carsten Krüger, Dr. Klaus Mott als ärztlicher Sprecher des Radiologienetz und ich stehen jederzeit zur Verfügung

Viele Grüße,

Dr. Johannes Schmidt-Tophoff

Zum Download des Thesenpapiers


Ihr Ansprechpartner

Haben Sie Fragen oder wünschen Sie weitere Informationen? Dann wenden Sie sich gerne direkt an 

Dr. Johannes Schmidt-Tophoff, Vorstand Curagita AG

JST

Haben Sie noch 10 Minuten Zeit?

Dann freuen wir uns über Ihre Teilnahme an unserer Umfrage. Mit Ihren Antworten helfen Sie uns, einen fundierten Überblick über die aktuelle Situation zu gewinnen und wichtige Handlungsfelder zu identifizieren.

Wer steht hinter der Kampagne „Radiologie im Sturm“?

Die Kampagne basiert auf einer Initiative des Radiologienetz Deutschland. Das Radiologienetz ist ein bundesweites Netzwerk unabhängiger radiologischer Praxen mit über 400 Radiologinnen und Radiologen. Ziel der Kampagne ist es, auf die aus Sicht der Autoren bestehenden Schwächen der Kostenstrukturstatistik (KSS) aufmerksam zu machen und eine sachliche Diskussion über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der ambulanten Radiologie anzustoßen.

Was ist Destatis?

Destatis ist das Statistische Bundesamt der Bundesrepublik Deutschland. Es erhebt und veröffentlicht amtliche Statistiken zu Wirtschaft, Gesellschaft und Gesundheitswesen. Auch die Kostenstrukturstatistik (KSS) im medizinischen Bereich wird von Destatis erstellt und veröffentlicht. 

Was ist die Kostenstrukturstatistik (KSS) von Destatis?

Die Kostenstrukturstatistik (KSS) ist eine vom Statistischen Bundesamt (Destatis) erhobene Statistik über Einnahmen und Kosten von Arztpraxen. Sie dient unter anderem als Datengrundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen und für die Weiterentwicklung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM). Die KSS wird regelmäßig veröffentlicht und soll die wirtschaftliche Situation verschiedener Fachgruppen im ambulanten Gesundheitswesen abbilden.

Was fordert die Kampagne konkret?

Die Kampagne fordert keine Sonderbehandlung, sondern eine aus ihrer Sicht realistischere Darstellung der wirtschaftlichen Situation radiologischer Einrichtungen. Dazu gehören unter anderem die Berücksichtigung von Investitions- und Finanzierungskosten, Managementaufwand, Praxisübernahmekosten sowie eine bessere Einordnung der ausgewiesenen Reinerträge.

Radiologienetz Deutschland

 

Curagita AG
Hans-Bunte-Str. 2-4
69123 Heidelberg